Das verlorene Licht

Lina

Die, die nicht still sein kann

Aemilias beste Freundin. Kupferrotes Haar, Mehlstaub an den Händen und eine Meinung zu allem. Lina ist laut, wo Eichenruh leise geworden ist.

Lina verschwindet früh aus der Geschichte. Trotzdem ist sie überall.

Sie steckt im roten Band, das Aemilia ums Handgelenk trägt und später um den Splitter wickelt. Sie steckt in Maras Brief: Sie sagt, du sollst nicht dumm sterben. Sie hat dein Messer immer für zu klein gehalten. Sie steckt im Mehlsack, den sie einem Gildenjungen ins Gesicht geschlagen hat. Nicht als Versehen. Als Meinung.

Lina ist die Freundin, die sagt, was alle denken, und einiges, das niemand denken sollte. Sie verschränkt die Arme, klettert durch Fenster, die nie richtig schlossen, und ist laut, wo Eichenruh leise geworden ist.

Lina ist das, was Aemilia an Eichenruh festhält. Nicht als Gewicht. Als Erinnerung daran, dass Heimat auch bedeuten kann: jemand, der einen kennt, ohne dass man sich erklären muss. Jemand, dessen Wut auf die Welt sich anfühlt wie Loyalität, weil sie es wahrscheinlich ist.

Das rote Band in Aemilias Tasche — dünn, zerrissen, nicht loszuwerden.